Howell-Jolly-Körperchen

Blut Erythrozyten
Blut Erythrozyten

Howell-Jolly-Körperchen sind kleine basophile Kernreste in Erythrozyten, die nach Milzentfernung (Splenektomie) gehäuft auftreten. Sie können als ein Maß für die Milzfunktion gewertet werden. 1

Normalerweise verlieren Erythrozyten während ihrer Reifung im Knochenmark die Kerne. Erythrozyten mit Kernpartikeln (abzugrenzen von Retikulozyten, die bei der Standardfärbung nicht erkennbar sind) werden von der Milz aus dem Blutkreislauf entfernt. Ist diese Funktion gestört (z. B. bei der Sichelzellanämie 2 ) oder die Milz entfernt, treten vermehrt solche Kernreste enthaltende Erythrozyten im peripheren Blut auf. Bezüglich ihrer Oberflächenmarker sind sie CD71(+) und CD71(-). Die Erkennung und Quantifizierung der Howell-Jolly-Körper kann automatisiert erfolgen 3. Dies ist beispielsweise bei der Milzschädigung im Rahmen von Krankheiten (Milzinfarkt, Sichelzellanämie) von Interesse.

Auch in neutrophilen Granulozyten finden sich gelegentlich zytoplasmatische Inklusionen, die an Howell-Jolly-Körperchen erinnern. 4 Laut spezieller Untersuchungsverfahren sollen sie ebenfalls aus Kernmaterial bestehen. Sie können infektiösen Inklusionen ähneln, lassen sich aber durch konfokale Lasermikroskopie unterscheiden. Sie können sich bei immunsupprimierten Patienten finden 5 oder auch beim myelodysplastischen Syndrom 6.


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Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Clin Lab Haematol. 1990;12(3):269-75[]
  2. Blood. 2011 Mar 3;117(9):2614-7[]
  3. Exp Hematol. 2007 Feb;35(2):179-83[]
  4. Blood. 2009 Oct 1;114(14):2860. doi: 10.1182/blood-2009-04-214288. PMID: 19810186.[]
  5. J Hematol. 2017 Oct;6(4):101-104. doi: 10.14740/jh334w. Epub 2017 Sep 20. PMID: 32300402; PMCID: PMC7155841.[]
  6. Arch Pathol Lab Med. 2019 Jan;143(1):112-114. DOI: 10.5858/arpa.2017-0328-OA. Epub 2018 Jul 30. PMID: 30059259.[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).

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