Die Aspirationspneumonie ist eine Lungenentzündung, die entsteht, wenn Material aus Mund oder Speiseröhre in die Atemwege gelangt, die Abwehrfunktion des Atemwegssystems mit Husten und Schleimproduktion unzureichend ist, und eine Infektion der Lungen hervorgerufen wird. Die Pneumonie, die nach einer Aspiration entsteht, entwickelt sich in der Regel in den basalen Lungenabschnitten. Es können Einschmelzungen des Gewebes und Abszesse entstehen.
Ursachen
- Schluckstörungen im Rahmen einer neurologischen Krankheit, wie z. B. bei einer Parkinson-Krankheit oder nach einem Schlaganfall sind eine relativ häufige Ursache für eine Aspirationspneumonie.
- Erbrechen unter tiefer Sedierung (z. B. im Rahmen der Einnahme einer Überdosis von Medikamenten) führt oft zu einer Aspirationspneumonie.
- Eine Refluxkrankheit mit Rückfluss von Material aus dem Magen in die Speiseröhre kann über den Kehlkopf die Bronchien erreichen und zu einer chronischen Bronchitis und in seltenen Fällen auch zu einer Aspirationspneumonie führen. Dies ist im Liegen (nachts, bei bettlägerigen Patienten) nicht selten eine Ursache.
- Eine Regurgitation aus einem Zenker’schen Divertikel oder einem über einer Stenose dilatierten Ösophagus (z. B. bei einem Ösophaguskarzinom oder einer Achalasie) kann zu einer Aspirationspneumonie führen.
Risikofaktoren
Risikofaktoren sind Bettlägerigkeit, geschwächte Gesundheit, Psychopharmaka, Protonenpumpenhemmer, Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer, Dysphagie, Schlaganfall, künstliche Ernährung über eine Magensonde, schwere Demenz, Parkinson Krankheit und andere neurodegenerative Krankheiten sowie schlechte Mundgesundheit. 1 2
→ Refluxkrankheit
→ Zenker-Divertikel
→ Morbus Parkinson
→ Dysphagie
Symptomatik
In der Regel führt eine Aspiration zu heftigem Husten und einer Schleimproduktion der Bronchialschleimhaut. Diese Symptome stehen oft am Beginn; später entwickelt sich eine Pneumonie mit Tachypnoe (schneller Atmung), Fieber und allgemeinem Krankheitsgefühl. Je nach Ausdehnung kann eine mehr oder weniger ausgeprägte Atemnot hinzukommen.
Diagnostik
Die Pneumonie wird klinisch durch Perkussion und Auskultation der Lungen verdächtigt und röntgenologisch (Röntgenübersichtsaufnahme der Lungen in 2 Ebenen, Computertomographie) gesichert. Die Ursache einer Aspiration ergibt sich meist anamnestisch. Bei einer Bronchoskopie und Lavage der Bronchien kann aspiriertes Material gefunden werden.
Therapie
Die Pneumonie wird antibiotisch behandelt, wobei die aeroben Hauptkeime (Streptokokken, Staphylokokken, Hämophilus und Pseudomonas spec.) berücksichtigt werden. Die Antibiose wird kalkuliert begonnen und nach Kenntnis des Antibiogramms gezielt fortgeführt. Häufig verwendete Antibiotika sind Clindamycin, Meropenem, Ampicillin/Sulbactam oder Moxifloxacin. 3 4
Die Ursache der Aspiration wird in das Therapiekonzept einbezogen.
- Bei einer ausgeprägten Refluxkrankheit bei bettlägerigen Patienten wird eine schräge Lagerung durchgeführt; zudem ist eine Antirefluxoperation zu diskutieren. Prokinetika haben keinen schützenden Effekt 2.
- Ein Zenker-Divertikel] sollte operativ (oder endoskopisch) revidiert werden.
- Eine Rehabilitation nach einem Schlaganfall bedarf eines Schlucktrainings unter Kontrolle und der Auswahl geeigneter Nahrungsmittel mit meist breiiger, nicht zu flüssiger Konsistenz (was individuell angepasst werden muss).
- Die Medikation ist auf Reflux-fördernde Medikamente zu prüfen.
Verweise
Weiteres
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- J Am Med Dir Assoc. 2011 Jun;12(5):344-54. doi: 10.1016/j.jamda.2010.12.099[↩]
- PLoS One. 2021 Apr 5;16(4):e0249645. doi: 10.1371/journal.pone.0249645[↩][↩]
- Journal of Critical Care. 30 (1): 40–8. doi:10.1016/j.jcrc.2014.07.011[↩]
- J Pharm Health Care Sci. 2024 Jul 30;10(1):45. doi: 10.1186/s40780-024-00367-5[↩]
