Die Osteomyelofibrose (auch Osteomyelosklerose, engl.: myelofibrosis) ist gekennzeichnet durch eine zunehmende Fibrosierung (übermäßige Bindegewebsvermehrung) oder Sklerosierung (Verhärtung durch Bindegewebsvermehrung) des Knochenmarks, durch die es zu einer Verdrängung der Blutbildung in die Milz und in die Leber kommt (extramedulläre Hämatopoese). Ursächlich werden JAK2V617F-, CALR- und MPL-Mutationen gefunden; 8 bis 10 % der MF sind jedoch „dreifach negativ“.
Einordnung
Die Osteomyelofibrose gehört mit der Polycythaemia vera, der essenziellen Thrombozythämie und der chronischen myeloischen Leukämie zu den myeloproliferativen Krankheiten, bei denen eine der Blutbildungsreihen oder Bindegewebselemente proliferieren.
Folgen
Verdrängung der dort physiologischerweise beheimateten blutbildenden Zellreihen, konsekutiv Ausweichen der Blutbildung in andere Organe, speziell in die Leber und die Milz. Dadurch kann es zu erheblicher Splenomegalie und auch einer Hepatomegalie kommen.
Symptomatik
Das Erscheinungsbild ist bestimmt durch die zunehmenden Organgrößen von Leber und Milz (Hepatosplenomegalie) und einem hohen Risiko für Komplikationen, wie einer Milzruptur mit intraperitonealer Blutung. Zudem kann es bei unzureichender extramedullärer Blutbildung zu einer Anämie kommen, die selbst wieder durch Blässe und Leistungsschwäche auffällt.
Diagnostik
Auf die Spur einer myeloproliferativen Krankheit gelangt man über verschiedene Wege: eine ungeklärte Anämie, eine Thrombozytopenie oder / und eine klinisch nachweisbare starke Milzvergrößerung.
Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen sind eine Knochenmarkpunktion: meist Punctio sicca (kaum oder kein Knochenmark zu erhalten), eine Knochenstanze: Fibrosierung und faserige Durchbauung des Knochenmarks und eine genetische Analyse.
Therapie
In der Regel kommt nur eine symptomatische Behandlung in Betracht. Allerdings kann mit Hydroxyurea und Talidomid in Einzelfällen eine Stagnation erreicht werden.
In einigen Fällen kann eine Indikation zur Stammzelltransplantation bestehen. Sie gilt (2023) immer noch als die einzige Option, die Heilung verspricht. 1
Ruxolitinib
Eine neue Behandlungsmöglichkeit besteht in einer Januskinase-Hemmung durch Ruxolitinib, Fedratinib und Pacritinib. Diese Substanzen führen zu einer Verbesserung des Blutbilds und einer Verkleinerung der Milz, die anzuhalten scheint.
Eine Studie weist nach, dass der Januskinase-Hemmer Ruxolitinib bei Patienten mit mäßiger Krankheitsaktivität häufiger und dauerhafter wirkte als bei Hochrisikopatienten, bei denen Mutationen mit hohem molekularem Risiko (HMR) (IDH1/2, ASXL-1, SRSF2, EZH2, U2AF1Q157) nachweisbar waren. Prädiktoren für einen stabilen Verlauf nach 6 Monaten waren keine solchen Mutationen, keine Zytopenie und keine Blasten < 1 % 2. Patienten mit Myelofibrose profitieren eher von einer frühzeitigen Behandlung mit Ruxolitinib (innerhalb eines Jahres nach der Diagnose) als von einer späteren 3.
Prognose
Die Lebenserwartung ohne Therapie beträgt etwa 2 – 5 Jahre. Eine Langzeit-Therapie mit Ruxolitinib verzögert das Fortschreiten der Fibrose bei fortgeschrittener myelodysplastischer Fibrose, verringert sich die Milzgröße, und bildet sich die Leukoerythroblastose zurück. 4
Sonderform: Autoimmune Myelofibrose
Eine autoimmune Myelofibrose (AIMF) ist eine seltene Form der Knochenmarkfibrose (BMF). Sie tritt meistens im Rahmen einer sonstigen Autoimmunkrankheit, seltener primär auf. Im Gegensatz zur primären Myelofibrose (PMF) spricht AIMF gut auf eine immunsuppressive Therapie an. 5 In einer Zusammenstellung von 12 Patienten mit AIMF hatten alle nachweisbare Autoantikörper und meistens begleitende Autoimmunerkrankungen. Bei vier Patienten kam es unter immunsuppressiver Therapie zu einer vollständigen Remission, bei drei Patienten zu einer partiellen Remission der Blutbildung. Ein Patient erreichte nach einer Splenektomie eine PR. Myeloproliferative Neoplasien traten nicht auf. 6
Verweise
- Myeloproliferative Erkrankungen
- Chronische myeloische Leukämie
- Januskinase-Hemmer
- Ruxolitinib
- Das Blut
- Der Knochen
Weiteres
- Blood. 2023 Apr 20;141(16):1954-1970.[↩]
- Cancer. 2024 Dec 15;130(24):4257-4266. doi: 10.1002/cncr.35489[↩]
- Future Oncol. 2025 Mar;21(6):617-625. doi: 10.1080/14796694.2024.2440255[↩]
- J Hematol Oncol. 2018 Mar 15;11(1):42. doi: 10.1186/s13045-018-0585-5.[↩]
- Eur J Haematol. 2023 Nov;111(5):706-714[↩]
- Acta Haematol. 2017;138(3):129-137[↩]