Myoglobin ist ein zellulärer Sauerstoffträger und findet sich nur unter krankhaften Bedingungen im Blut. Wird es im Blut messbar, so stammt es aus der quergestreiften Skelettmuskulatur oder der Herzmuskulatur, von wo es durch Entzündungsprozesse, bei Sauerstoffmangel oder durch toxische oder traumatische Einflüsse (z. B. eine Quetschung) freigesetzt wird.
Indikationen
Indikationen für die Bestimmung von Myoglobin im Blut sind:
- Herzinfarkt: Bedeutung für die Frühdiagnose
- Muskelschmerzen: Verdacht auf Myositis
- Sepsis mit Verdacht auf bakteriell bedingte Muskelauflösung (Rhabdomyolyse)
- dunkler Urin unklarer Zuordnung: Myoglobinurie?
- Verdacht auf größere Muskelquetschungen (um das Risiko einer Crush-Niere abzuschätzen)
Referenzwert
Als oberer Normwert wird häufig 70 µg/l angegeben. Die Normwerte der Laborinstitute sind zu beachten.
Erhöhte Werte
Die häufigsten Ursachen einer Erhöhung von Myoglobin im Blut sind:
- Herzinfarkt in der Frühphase: Maximum um 4-6 Stunden, Normalisierung nach etwa (12-) 24 Stunden. Mit Myoglobin werden auch GOT und LDH aus den Myokardzellen (Kardiomyozyten) freigesetzt, die jedoch längere Halbwertszeiten haben.
- Trauma (z. B. Muskelquetschung).
- Freisetzung von Myoglobin durch toxischen Einfluss: toxische Myopathie 1.
- Myositis, Polymyositis, Dermatomyositis: Entzündungen der Muskulatur.
- Infektiöse Muskelentzündungen, auch Virusinfektionen (z. B. Coxsackie-Virus-Infektionen, Gasbrand)
- Krampfanfälle verschiedenster Ursachen.
- exzessive Muskelarbeit, Bodybuilding.
- Rhabdomyolyse verschiedener Ursachen: z. B. auch bei schwerer Alkoholintoxikation oder nach einer COVID-19-Infektion 2.
- Sepsis mit septischen Herden in der Muskulatur.
- Medikamente: Zu den häufigsten gehören Antipsychotika, Statine, Zidovudin, Colchicin, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer und Lithium. 1
- Drogen (Amphetamine).
- Elektrolytungleichgewicht (ausgeprägte Hypernatriämie, Hypokaliämie).
Bei einer Niereninsuffizienz kumuliert Myoglobin im Blut; erhöhte Werte können daher fehlinterpretiert werden.
Allgemeines
Myoglobin ist das Sauerstoff-bindende Protein der Skelettmuskulatur und des Herzens. Sein Nachweis im Blut weist auf eine Erkrankung dieser Organe hin. Es dient als Sauerstoffspeicher für die energieverbrauchenden Prozesse der Muskelarbeit. Das Molekulargewicht liegt bei 16 kD. Im Gegensatz zum Hämoglobin, dem Sauerstoffträger des Bluts, besteht es aus nur einer Polypeptidkette, hat jedoch ebenso ein Eisen tragendes Häm als prosthetische Gruppe.
Die Plasmahalbwertszeit nach Freisetzung aus der Muskulatur beträgt etwa 15 Minuten; die Elimination erfolgt durch glomeruläre Filtration über die Nieren.
Myoglobin stammt ausschließlich aus quergestreifter und nicht aus glatter Muskulatur (also nicht aus der Muskulatur des Magendarmkanals oder der Arterienwände). Eine Ausscheidung großer Mengen, wie sie bei Muskelquetschungen frei werden, können zur Verstopfung der Nierentubuli und damit zu einer akuten Niereninsuffizienz führen (Crush-Niere).
→ Hämoglobin
→ facebook: Neues und Interessantes!
→ Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion
Ergänzende Informationen
Weiteres