KRAS-Onkogen

Laboruntersuchungen
Laboruntersuchungen

KRAS-Onkogen ist das Akronym für „Kirsten rat sarcoma viral oncogene“. Es ist ein Onkogen, dessen Mutation zur Krebsentstehung vor allem bei Adenokarzinomen beiträgt. KRAS-Mutationen bedeuten eine schlechte Prognose für viele Krebsarten. Es gibt jedoch neue KRAS-spezifische Therapieansätze.

Biochemie

KRAS gehört zur RAS-Superfamilie. Das Gen kodiert für ein kleines GTPase-Transduktorprotein, das als KRAS bekannt ist. Es ist eine Gruppe kleiner Guanosintriphosphat (GTP)-bindender Proteine. Die Guanosin-Triphosphatase-Aktivität (GTPase-Aktivität) ist in RAS-Mutanten erheblich herabgesetzt. Es sind verschiedene Mutationen bekannt.

Bedeutung

Mutationen im KRAS sind verantwortlich für körperliche Fehlbildungen (u. a. Kleinwüchsigkeit, Gesichtsanomalien, Herzfehlbildungen) die als Noonan-Syndrom und CFC-Syndrom (cardio-facio-cutaneous syndrome) bekannt sind. Andere Mutationen erhöhen das Krebsrisiko. 1  2

KRAS-Mutation: schlechte Prognose bei Krebs

Es wurde angenommen, dass die Behandlung von Lungen– und Dickdarmkrebs durch Hemmstoffe der EGFR-Tyrosinkinase (EGFR: epidermal growth factor receptor) und durch Antikörper gegen EGF-Rezeptoren (wie Cetuximab, Erbitux®) gute therapeutische Erfolge bringen würde. Dies ist jedoch nur in einem kleinen Teil der Patienten der Fall, beim kolorektalen Karzinom nur in 30-40%. 3

Es hat sich herausgestellt, dass es insbesondere Patienten sind, bei denen eine KRAS-Mutation nachweisbar ist, die auf diese Therapie nicht adäquat ansprechen. Tumore, die ursprünglich einen KRAS-Wildtyp enthalten, entwickeln in der Mehrzahl nach einigen Monaten eine KRAS-Mutation und damit zusammenhängend eine Resistenz gegenüber Cetuximab 4.

Der Nachweis einer KRAS-Onkogen-Mutation ist ein negativer Praediktor: er sagt voraus, dass eine Behandlung mit Cetuximab erfolglos sein wird. Das Überleben von Patienten ohne KRAS-Mutation ist signifikant höher als bei denen mit Mutation (16,3 vs. 6,9 Monate) 5. Dies hat sich inzwischen vielfach bestätigt.

Inzwischen werden KRAS-Mutationen regelmäßig im histologischen Präparat bei z. B. metastasierenden kolorektalen Karzinomen bestimmt. Die Tendenz geht dahin, dass Patienten mit nicht resektablem linksseitigem metastasierendem kolorektalem Karzinom (mCRC) und KRAS-Wildtyp Cetuximab zusammen mit Chemotherapie (FOLFIRI bzw. FOLFOX) bereits als Erstlinientherapie angeboten bekommen. 6

KRAS als therapeutisches Ziel

Neue Erkenntnisse eröffnen möglicherweise Therapieoptionen über KRAS. Beispielsweise wirkt Wildtyp-KRAS wachstumshemmend bei Krebs mit KRAS-Mutanten. Es führt bei mehreren Tumoren zu einer reduzierten Tumorlast. Die Forschung sucht nach den Mechanismen. 7

Eine therapeutische KRAS-Blockade scheint nach der Entdeckung einer „Tasche“ im Molekül, in die hinein ein Medikament passen könnte, greifbar zu werden. Solche Medikamente ( Sotorasib, AMG 510, und Adagrasib, MRTX849 ) sind für das nicht kleinzellige Lungenkrazinom mit KRAS-G12C-Mutation in klinischer Prüfung. 8 Sie könnten bei Tumoren wirken, bei denen sehr häufig KRAS-Mutationen gefunden werden, so auch bei dem duktalen Pankreaskarzinom (90 %), Darmkrebs (Kolonkarzinom, 30 – 50 %), Krebs der Gallenwege (28%), Uteruskrebs, (Endometrium u. Zervix, ca. 25 %), Lungenkrebs (20 %) und bei Krebs im Harntrakt (5 %). 7

Ein neu entwickelter oraler KRAS-G12C-Inhibitor (Divarasib) hat sich als wirksam und verträglich erwiesen. Eine jetzt veröffentlichte Zulassungsstudie an Patienten mit einer KRAS G12C-Mutation zeigt beim fortgeschrittenen nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) ein Ansprechen in 53,4 % und beim Darmkrebs von 29,1 %; das mittlere progressionsfreie Überleben lag bei 13,1 und 5,6 Monaten. In nur 14 % musste die Dosis wegen Nebenwirkungen reduziert werden. Die Wirksamkeit konnte über einen Rückgang der im Blut zirkulierenden KRAS-Tumor-DNA (liquid biopsy) dokumentiert werden. 9


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Ergänzende Informationen

Weiteres


Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

  1. Hum Mutat. 2008 Aug;29(8):992-1006[]
  2. J Mol Med. 2007 Mar;85(3):227-35[]
  3. Virchows Arch. 2008 Nov;453(5):417-31[]
  4. Nature. 2012 Jun 28;486(7404):532-6[]
  5. Cancer Res. 2006 Apr 15;66(8):3992-5[]
  6. J Cancer Res Clin Oncol. 2014 Sep;140(9):1607-14. doi: 10.1007/s00432-014-1678-3.[]
  7. Acta Pharm Sin B. 2019 Sep;9(5):871-879. DOI: 10.1016/j.apsb.2019.03.002. Epub 2019 Mar 6. PMID: 31649840; PMCID: PMC6804475.[][]
  8. Mol Cancer. 2021 Oct 4;20(1):128. DOI: 10.1186/s12943-021-01422-7. PMID: 34607583; PMCID: PMC8489073.[]
  9. N Engl J Med 2023; 389:710-721 DOI: 10.1056/NEJMoa2303810[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum über Glykoproteine. Klinische Ausbildung und Forschung über Gallensäuretransport und Cholestase an der Universitätsklinik Freiburg. Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation. Chefarzt in Berlin und Frankfurt (Oder).