Hepatitis-Serologie

Grundlagen

Die Hepatitis-Serologie ermöglicht den Nachweis der immunologischen Reaktion des Körpers auf eine Infektion mit Hepatitisviren. Virusinfektionen lösen im Körper eine Immunantwort aus, bei der zuerst Antikörper im Bereich der Immunglobuline-M (IgM) und später dem der Immunglobuline-G (IgG) gebildet werden. Der Nachweis Virus-spezifischer Immunglobuline weist in der Regel eine Auseinandersetzung des Körpers mit dem entsprechenden Virus nach.

Serologische Hepatitis-Marker

Anti-HAV: Hepatitis-A-Antikörper (HAV = Hepatitis-A-Virus)

Anti-HAV-IgM: Hepatitis-A-Antikörper der Immunglobulin-M-Klasse: sie erscheinen etwa 2-4 Wochen nach Hepatitis-A-Infektion

Anti-HAV-IgG: Hepatitis-A-Antikörper der Immunglobulin-G-Klasse: sie bleiben lebenslang nach durchgemachter Hepatitis A nachweisbar

HBsAg: Hepatitis-B-surface-Antigen, früher als „Australien-Antigen“ bezeichnet, wird bei der Hepatitis-Serologie meist mitbestimmt und ermöglicht bei frischer Infektion den ersten direkten Nachweis einer HBV-Infektion.

Anti-HBs: Hepatitis-B-surface-Antikörper, Antikörper gegen Virusantigene auf der Hülle des Virus, ein positiver Nachweis bedeutet i.d.R. Immunität gegen Hepatitis B

Anti-HBc: Hepatitis-B-Core-Antikörper, Antikörper gegen Virusantigene im Zentrum (Kern) des Virus

Anti-HBc-IgM: Hepatitis-B-Core-IgM-Antikörper, sie erscheinen i. d. R. bei frischer Hepatitis B-Infektion kurz nach HBs-Ag im Blut und zeigen eine Wirtsreaktion auf das Virus an

HBeAg: das HBe-Antigen wird zusammen mit Anti-HBe bestimmt, s. u.

Anti-HBe: Hepatitis-Be-Antikörper.

HA-Ag: Hepatitis-A-Antigen

Anti-HCV: Hepatitis-C-Antikörper (HCV = Hepatitis-C-Virus)

Neben den „klassischen“ Hepatitisviren werden auch andere Virusinfektionen, die mit einer Leberentzündung einhergehen können, die die EBV-Hepatitis und die CMV-Hepatitis serologisch durch Antikörper nachgewiesen (siehe dort).

Serologische Hepatitis-Diagnostik

Hepatitis A

Anti-HAV global: wenn positiv, dann Zustand nach Hepatitis A oder aktive Hepatitis A-Infektion,

Anti-HAV IgM: wenn positiv, dann Hepatitis A vor kurzem durchgemacht oder gerade aktiv (bei gerade aktiver Hepatitis A ist der Stuhlnachweis der HAV positiv; ist er negativ, ist die Erkrankung gerade überwunden) 1

Hepatitis B

HBsAg: Hepatitis-B-surface-Antigen, Antigen der Hülle des Hepatitis-B-Virus. Ein positiver Nachweis bedeutet Infektiosität. In seltenen Fällen kann sich das HBsAg durch eine Mutation der Nachweisbarkeit entziehen, während Anti-HBc und die HBV-DNA noch nachweisbar bleiben. In diesen Fällen besteht eine infektiöse „okkulte HBV-Infektion“ (OBI) 2.

Anti-HBs: wenn positiv, dann wahrscheinlich immun (durchgemachte Hepatitis B oder Zustand nach Hepatitis B Impfung).

Anti-HBc global: wenn positiv, akute Hepatitis B wahrscheinlich.

Anti-HBc-IgM: wenn positiv, akute Hepatitis B sehr wahrscheinlich (dann Nachweis von HBe-Ag: wenn positiv, Virusreplikation (Infektiosität) sehr wahrscheinlich; HBV-DNA-Nachweis durch PCR: sicherer Nachweis einer Infektion und der Infektiosität, auch wenn das HBe-Ag negativ ist).

Anti-HBe: wenn HBe verschwindet und Anti-HBe auftaucht, dann wird dies als günstiges Zeichen der Infektionsbewältigung gewertet.

Hepatitis C

Anti-HCV: Positive Antikörper gegen Hepatitis C zeigen keine Immunität an sondern sind zu etwa 95 % mit Infektiosität verbunden! Wenn Anti-HCV positiv ist, ist eine Hepatitis C-Infektion also sehr wahrscheinlich. Um eine Ausheilung nachzuweisen, die bei über lange Zeit normalen Transaminasen möglich wäre, ist ein direkter Virusnachweis durch HCV-PCR im Blut und ggf. auch im Lebergewebe nötig (wozu eine Leberpunktion erforderlich wäre).


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Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
Medizinisch geprüft von

Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Letzte medizinische Prüfung:

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum, klinische Ausbildung und Forschung an Universitätsklinik Freiburg, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation in Freiburg. Chefarzt in Berlin und Frankfurt Oder. Im Ruhestand.

  1. Gastroenterol Clin North Am. 2020 Jun;49(2):191-199. doi: 10.1016/j.gtc.2020.01.002. Epub 2020 Mar 29. PMID: 32389358; PMCID: PMC7883407.[]
  2. World J Gastroenterol. 2016 Oct 21;22(39):8720-8734[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Studium in Freiburg und Wien, biochemische Forschung in Bochum, klinische Ausbildung und Forschung an Universitätsklinik Freiburg, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, Habilitation in Freiburg. Chefarzt in Berlin und Frankfurt Oder. Im Ruhestand.