Antivirale Substanzen

Virus EM

Antivirale Substanzen sind gegen Viren wirkende Medikamente (Virustatika). Sie werden beispielsweise zur Behandlung von Hepatitis B, Hepatitis C, HIV-Infektionen, CMV-Infektionen, Herpes zoster oder Covid-19 eingesetzt.

Wirkprinzipien

Um die Vermehrung von Viren im Körper zu verhindern, gibt es verschiedene Ansatzpunkte. Die erfolgreichsten sind folgende:

  • eine Hemmung des Eintritts eines Virus in die Zellen: dies erfolgt meist durch Verhinderung des Andockmechanismus eines Virus an Rezeptoren der Zellen und durch Hemmung des Einschleusevorgangs (Entry-Inhibitoren, einige HIV-Medikamente).
  • eine Hemmung der Virusvermehrung durch Angriff in den Stoffwechsel: Dazu gibt es verschiedene Angriffspunkte, beispielsweise (je nach Virustyp):
    • Hemmung der DNA-Polymerase: Beispiele sind Ribavirin und Sofobuvir
    • Hemmung der RNA-Polymerase:Beispiel ist Remdesivir (gegen Covid),
    • Hemmung der reversen Transskriptase: Beispiele sind Mittel gegen HIV und HBV wie Lamivudin, Adefovir, Entecavir, Tenofovir,
    • Hemmung spezieller Proteasen (Proteaseinihibitoren): Beispiele sind verschiedene HIV-Medikamente sowie die HCV-Mittel Boceprevir und Telaprevir,
    • Antisense-Oligonucleaotide (Hemmer der Translation von mRNA für die virale Proteinbiosynthese): Beispiel Fomvirsen gegen CMV
    • Reifehemmer (Verhinderung des Zusammenbaus neuer Viren in den Zellen) 1,
    • Integrasehemmer: hemmen das Enzym Integrase von Retroviren, so von HIV,
    • Freisetzungshemmer: manche Viren können nur durch die Wirkung von freisetzenden Enzymen von der Zelloberfläche abgespalten werden. Beispiel Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir bzgl. Freisetzung von Influenzaviren (klinische Wirksamkeit unsicher).

Substanzen

Direkt hemmende Wirkung: Antivirale Substanzen sind vor allem Nucleosidanaloga und Nucleotidanaloga. Ihnen kommt eine direkt hemmende Wirkung zu.

  • Nukleosidanaloga: dies sind von Nukleosiden (Base + Ribose) abgeleitete Verbindungen. Beispiele:
    • Azidothymidin (erstes Medikament gegen eine HIV-Infektion)
    • Ribavirin (Medikament im Behandlungsschema der Hepatitis C)
    • Aciclovir (Guanin-Abkömmling, Zovirax®, verwendet in der Therapie von Herpes-zoster-Infektionen)
    • Ganciclovir (ebenfalls ein Guanin-Abkömmling, verwendet in der Therapie von CMV-Infektionen)
    • Lamivudin (Epivir®, Zeffix®, verwendet in der Therapie der chronischen Hepatitis B und der HIV-Infektion)
    • Entecavir (Baraclude®) verwendet in der Therapie der chronischen Hepatitis B)
    • Remdesivir: Adenosinnucleosidtriphosphat-Analog, ursprünglich gegen Hepatitis C entwickelt, dann auch gegen Ebola, SARS und MERS eingesetzt; die Hauptbedeutung von Remdesivir liegt in der Behandlung von COVID-19-Infektionen; sein aktives Stoffwechselprodukt GS-441524 interagiert mit der viralen RNA-abhängigen RNA-Polymerase
  • Nukleotidanaloga: dies sind von Nukleotiden (Base + Ribose + (Mono-/Di-/Tri-Phosphat) abgeleitete Verbindungen. Beispiele:
  • Cas13: Neue Möglichkeiten zur Behandlung von RNA-Virus-Infektionen eröffnen sich durch den Einsatz der Genschere CRISPR-Cas. So wurden virustatische Effekte von Cas13a gegen die lymphozytische Virusmeningitis (nicht eitrige Hirnhautentzündung), die SARS-Cov-2-Infektion oder das Dengue-Fieber sowie gegen die HIV-Infektion nachgewiesen. 2

Indirekt hemmende Wirkung:  Chloroquin und Hydroxychloroquin wird eine indirekt hemmende Wirkung auf die Replikation von RNA-Viren zugeschrieben. Ihr Wirkmechanismus beinhaltet eine Erhöhung der intrazellulären Zink-Konzentrationen. Da Zink die RNA-Polymerase von Coronaviren hemmt, lässt sich Hydrocychloroquin, das weniger Nebenwirkungen als Chloroquin aufweist, unter antivirale Substanzen einordnen. 3


→ Auf facebook informieren wir Sie über Neues und Interessantes!
→ Verwalten Sie Ihre Laborwerte mit der
Labor-App Blutwerte PRO – mit Lexikonfunktion.


Verweise

Weiteres

Letzte Aktualisierung von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt):
  1. Viruses. 2020 Aug 26;12(9):940. doi: 10.3390/v12090940. PMID: 32858867; PMCID: PMC7552077.[]
  2. Mol Ther Nucleic Acids. 2020;21:147-155. doi:10.1016/j.omtn.2020.05.030 []
  3. https://academic.oup.com/jac/advance-article/doi/10.1093/jac/dkaa114/5810487[]

Von Prof. Dr. Hans-Peter Buscher (Arzt)

Approbation, Promotion Medizinische Fakultät Universität Freiburg, 3 Jahre Biochemische Forschung Universität Bochum, Klinische und experimentelle Forschung in Zusammenarbeit mit dem Biochemischen Institut der Naturwissenschaftlichen Fakultät Freiburg und dem Institut für Informatik Würzburg. Habilitation an der Medizinischen Klinik der Universität Freiburg. Chefarzt der DRK-Kliniken Berlin und am Klinikum Frankfurt (Oder). Veröffentlichungen in verschiedenen hochrangigen Peer-Review-Journals inkl. Hepatology, Artif Intell Med., J Lipid Res., Adv Enzyme Regul., Dtsch Med Wochenschr., Med Welt., Z Krebsforsch., Ultraschall Med.