Allgemeines
Cholangioläres Karzinom bedeutet Krebs der Gallenwege (Gallengangskarzinom). Unter dem Begriff wird eine heterogene Gruppe von bösartigen Tumoren verstanden, die aber gemeinsam hat, dass die Tumore in der Regel erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert werden. Frühe und Vorläuferstadien (Dysplasie und in-situ-Karzinom) entziehen sich der Tumorsuche. Daher ist die Prognose eines cholangiolären Karzinoms in der Regel schlecht. Weitere Bezeichnungen: cholangiozelluläres Karzinom, Cholangiokarzinom, CCA.
Typen
Typen nach Lokalisation
Verschiedene Typen des Cholangiokarzinoms werden unterschieden:
- das intrahepatische Cholangiokarzinom (iCCA),
- das perihiläre Cholangiokarzinom (pCCA) 1 2, auch hiläres Cholangiokarzinom (hCCA),
- das extrahepatische, distale Cholangiokarzinom (dCCA),
- das Gallenblasenkarzinom und
- das ampulläre Karzinom (an der Einmündung des Gallengangs in den Zwölffingerdarm).
Zwischen iCCA und extrahepatischen CCA (eCCA, einschließlich pCCA und dCCA) sind molekulare Unterschiede festgestellt worden. 3
Von der japanisch-koreanischen Pathologengruppe wurde eine neue Unterteilung der intraduktalen papillären Unterform (Intraductal papillary neoplasm of the bile duct, IPNB) in die Typen 1 (niedriggradige Dysplasie und hochgradige Dysplasie mit regelmäßiger Architektur) und 2 (hochgradige Dysplasie mit unregelmäßiger Architektur) vorgeschlagen. Die Unterteilung soll deshalb sinnvoll sein, weil das Ergebnis nach einer operativen Behandlung bei Typ 1 günstiger als bei Typ 2 ist.4
Entstehung
Entstehung aus Gallengangszellen: Das Cholangiokarzinom entsteht durch maligne Transformation der biliären Epithelien und ist histologisch meist ein Adenokarzinom.
Entstehung aus in der Leber liegenden Vorläuferzellen: Es kann auch aus gemeinsamen Vorläuferzellen von Hepatozyten (Leberzellen) und Cholangiozyten (Gallengangsepithelien) entstehen und liegt dann intrahepatisch (intrahepatisches Cholangiokarzinom). Dieser Typ ist häufig mit einer Leberzirrhose assoziiert.
Die Tumormikroumgebung weist in einigen Fällen eine erhöhte Anzahl regulatorischer T-Lymphozyten und eine verstärkte Expression von Immun-Checkpoints auf 5. Auf dieser Beobachtung basieren neue Therapieansätze (siehe hier).
Genetik
Beim intrahepatischen Subtyp lassen sich zwei morpho-molekulare Gruppen unterscheiden: das intrahepatische Cholangiokarzinom vom Large-Duct-Typ (es weist eine hohe Mutationshäufigkeit von Onkogenen und Tumorsuppressorgenen wie KRAS und TP53 auf) und das intrahepatische Cholangiokarzinom vom Small-Duct-Typ. Es weist gehäuft Isocitrat-Dehydrogenase-1/2-Mutationen und Fibroblasten-Wachstumsfaktor-Rezeptor-2-Fusionen auf. 6
Neuere genetische Studien haben weitere Genmutationen nachgewiesen: (i) Beim Typ 1, insbesondere beim intestinalen Subtyp findet man gehäuft Mutationen in KRAS, GNAS und RNF43. (ii) Beim pankreatobiliären Subtyp des IPNB findet man gehäuft Mutationen in CTNNB1 und keine Mutationen in KRAS, GNAS und RNF43. 4
Die Klassifizierungen ändern sich damit je nach neuen genetischen Markern und ihren Zuordnungen zu den verschiedenen histologischen und klinischen Typen.
→ Zur klinischen Präsentation, Diagnostik und Therapie des Gallengangskarzinoms siehe hier.
Verweise
Weiteres
- Dtsch Med Wochenschr. 2009 May;134(19):985-8[↩]
- Übersicht: Z Gastroenterol. 2008 Jan;46(1):58-68[↩]
- Pathologe. 2020 Sep;41(5):488-494. German. doi: 10.1007/s00292-020-00808-6[↩]
- J Clin Med. 2020 Dec 9;9(12):3991. doi: 10.3390/jcm9123991[↩][↩]
- Onco Targets Ther. 2024 May 17;17:383-394. doi: 10.2147/OTT.S391707[↩]
- Liver Int. 2019 May;39 Suppl 1:7-18. doi: 10.1111/liv.14093[↩]
